Mazda CX-5 Man möchte ihn lutschen!

Es gibt ein schönes Buch von Paul Auster, „Winterjournal“. Darin beschreibt er sein Leben anhand seiner Wohnungen. Wie er zuerst mit seinen Eltern zusammenlebt, dann mit seiner Mutter – die Eltern sind geschieden. Später wohnt er als Student in irgendeiner New Yorker Bude. Irgendwann zieht er nach Paris in ein kleines Apartment, heiratet.

Er beschreibt, was er in all den Wohnungen und Häusern, in denen er seine Zeit verbrachte, geschrieben hat, was er gedacht, wen er geliebt, mit wem er gestritten hat, in welchen Zimmern er verzweifelt war: „Dein Körper in kleinen Räumen und großen Räumen, dein Körper, der Treppen hinauf- und hinuntergeht..., sich in Schlafzimmern, Hotelzimmern aus- und anzieht..., im Gras Purzelbäume schlägt...“ Dieselbe Sinnestour oder Körperbiografie kann man auch mit Autos machen. Wer ist man in welchem Gefährt?

Ich war ein Kanon schmetterndes Kind in einem dunkelblauen Mercedes-Kombi, das auf Ferienreisen nach Schweden zusammen mit zwei jüngeren, genervten Geschwistern eingekeilt zwischen verhängten Wodka- und Weinkisten saß: Schmuggelware, weil es in den staatlichen schwedischen Getränkemärkten nicht erlaubt war, Alkohol in den Mengen zu kaufen, die unsere Eltern für ihre diversen Einladungen in unserem Sommerhaus vorsahen.

Und jetzt also: ein Mazda CX-5

Zusammen waren wir eine Art Bande auf Rädern, das schweißte zusammen. Mein erstes eigenes Auto war ein Golf GT, schwarze Sitze, der Aschenbecher voll geteert. Alles schwarz. Er war meine Disco. Aber er war zu dark, ein Traktor übersah ihn auf der Landstraße.

Am glücklichsten war ich in den New Yorker Yellow Cabs; in rasender Geschwindigkeit bretterst du gangsterartig über die endlos langen Avenues durch die Nacht. Tagsüber steht man im Stau – fantastisch! Ich könnte stundenlang einfach nur dasitzen und nichts tun, außer zu träumen und Passanten zu beobachten. Und jetzt: ein Mazda CX-5.

der neue Mazda CX-5 AWD Die Front des Mazda CX-5 erinnert an aufgespritzte Lippen

Quelle: Jakob Hoff

Der Anblick des bonbonroten Sarkophags macht mich erst mal ratlos. Die Marke klingt irgendwie – klein. Nach Dicke-Hose-Macher-Sprüchen. „Platz da, hier kommt der Mazda“ – hat man das nicht 1985 in Bielefeld gehört? „Ich kauf’ mir einen Mazda“, sagte der sparsame Westdeutsche.

Es war der japanische Angriff auf die Automobilindustrie in den Achtzigern: Wir machen was Billigeres und überschwemmen den Markt. Der MX-5 ist bis heute der erfolgreichste Roadster weltweit.

Die Farbe meines Testwagens macht aber irgendwie Lust. Man möchte ihn lutschen, doch dafür ist er zu groß. Wir fahren von Berlin ins malerische Ostseekünstlerdorf Ahrenshoop, das Keitum der ehemaligen DDR. Anschnallen.

Es gibt keinen Zündschlüssel mehr

Der Motor springt auf Knopfdruck an, die Bremse löst sich automatisch – einen Zündschlüssel hat man gar nicht mehr, nur noch einen Sensor, damit das Auto losfährt. Nichts funktioniert mehr mechanisch, was ich sehr schade finde. Ich möchte zu einer Handlung auch das passende Geräusch hören, die Mechanik.

Wenn mein italienischer Espressokocher Espresso kocht, muss es blubbern. Und eine Bremse muss eben auch ein bisschen ächzen. Agnosie habe ich genug im Internet, abstrakte Wahrnehmung, ohne emotionale, tatsächliche Verbindung. Im Auto will ich wie in der Oper Musik, die direkt ins Ohr geht. Das fehlt mir hier.

der neue Mazda CX-5 AWD Die Heckscheibe des Mazda CX-5 ist ziemlich klein geraten

Quelle: Jakob Hoff

An anderen Stellen erlaubt sich der Mazda CX-5 dann wiederum zu viel Akustik: billige Klickgeräusche, zum Beispiel beim Öffnen des Fensters oder beim Verstellen des Sitzes. Es klicke-di-klickt bei jedem Griff, als drückte man die Tasten eines alten Kassettenrekorders.

Zum Thema Fenster noch: Halb geöffnet, entsteht plötzlich ein merkwürdig flatternder Luftdruck und pfropft sich aufs Ohr. Man versteht sein eigenes Wort nicht mehr.

Man sitzt wie die Kardashians

Die Aussicht nach vorn ist ordentlich, unglücklich ist der Blick durch den Rückspiegel. Er ist sehr kurz, eng, schießschartenartig; die Scheibe am Heck des Wagens ist auch sehr klein.

Angenehme Spielerei: Jenseits des Lenkrads fährt beim Motorstart ein Head-up-Display hoch, damit man den Blick nicht von der Fahrbahn nehmen muss, es zeigt alle wichtigen Informationen an, etwa Geschwindigkeitsbegrenzungen.

Das Schalten, der Übergang zwischen den Gängen, fühlt sich gut an. Allein das aufgebockte Sitzgefühl irritiert. Man sitzt wie die Kardashians.

Der Mazda CX-5 will ein SUV sein, aber ihm fehlt die Konsequenz – größerer Radstand, stärkerer Motor, mehr Platz im Kofferraum. Hat er alles nicht. Das Auto versucht, größer zu wirken, als es ist, bleibt aber ein Hausfrauenzweitwagen für die Carport-Fertighausecken.

der neue Mazda CX-5 AWD Der Mazda CX-5 ist mit einer Reihe von Assistenzfunktionen ausgestattet

Quelle: Jakob Hoff

Es erinnert mich an den Renault Twingo, der auch wie ein Comic-Auto aussieht, weil die Proportionen nicht klassisch sind. Eigentlich ist der Mazda eine aufgespritzte Lippe.

Die Zukunft kommt, aber nur ein bisschen

Erstaunlich, dass der Hersteller noch einen CD-Player einbaut. Als Kind habe ich wahnsinnig gern die Serie „Captain Future“ geguckt. Damals hat man ja immer gedacht – die Zukunft, wenn die dann mal kommt, und zwar im Jahr 2000, dann wird alles weiß sein!

Alles funktioniert nur mit Laserstrahlen, und das wird total cool. Und dann kam das Jahr 2000, und plötzlich hat man kapiert, die Zukunft kommt gar nicht in einer exorbitanten spacigen Lieferung, sondern sie kommt nur so ein bisschen. Das Interessanteste war vielleicht dann das iPhone.

Das zentrale Display im CX-5 ist nicht wirklich raffiniert designt. Wenn man das Home-Display ansteuert, erscheinen plumpe Teller-Buttons. Das machen Audi und Porsche schon schöner. Aber okay, es geht ja auch nicht immer nur um Design. Der Motor zieht gut (Diesel, 150 PS, Normverbrauch 5,4 Liter kombiniert auf 100 km).

Das Auto fährt relativ leise, aber es scheint manchmal nicht richtig zu gehorchen. Hilfreich sind die kleinen Assistenten: Wenn sich ein Objekt im toten Winkel nähert, wird man durch ein optisches oder akustisches Signal gewarnt.

Willst du weit fahren, musst du leiden

Ich hab allerdings lange nicht kapiert, wie man die Navi-Stimme zum Schweigen bringt. Dazu muss man erst in das gefühlt siebte Untermenü gehen, bis dahin hat die Tante einen totgequatscht. Und, Achtung: Man sitzt hart, der Sitz umarmt dich nicht, er federt nicht.

der neue Mazda CX-5 AWD dagmar von taube Unsere Autorin mit dem Mazda CX-5 an der Berliner Messe. Der Testwagen kostet 37.780 Euro

Quelle: Jakob Hoff

Langstrecke ist ein bisschen Bayreuth-Gefühl. Willst du weit fahren, musst du leiden. Das Auto bereitet dich darauf vor. Die Grundsatzfrage ist praktisch schon in den Sitz eingebaut: Lohnt es sich wirklich, so lange Autofahrten auf sich zu nehmen? Man bekommt Po-Kater.

Die Schlusskurve des Tages macht dann doch noch gute Laune. Ankunft in Ahrenshoop: Praktisch in derart überlaufenen Orten sind die (beheizbaren) Außenspiegel, die sich bei Türverriegelung sofort anlegen wie Ohren. Die Scheinwerfer strahlen.

Ihr „Blick“, wie es die Pressedame ausdrückt, sei „extra bissig gestaltet, wie zugekniffene Augen, konzentriert. Das symbolisiert ein selbstbewusstes Auftreten.“ Das soll der Wagen also aus mir machen? I wear my sunglasses at night – und fühl mich unsichtbar.

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